„Bundestagswahl 2021: Digitale Bedrohungen und ihre Folgen“

Authors: Julia Smirnova, Anneli Ahonen, Nora Mathelemuse, Helena Schwertheim, Hannah Winter

Published: 25 February 2022

Vor der Bundestagswahl 2021 setzte sich ISD Germany zum Ziel, digitale Bedrohungen während des Wahlkampfs, am Wahltag und nach der Wahl zu ermitteln und verfolgen. Das Team konzentrierte sich dabei auf drei Schwerpunkte: 1) Des- und Falschinformationen in Bezug auf die Integrität der Bundestagswahl und des Wahlergebnisses; 2) digitale Gewalt gegen einzelne Kandidat:innen sowie gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen während des Wahlkampfs; und 3) ausländische Beeinflussung, sowohl offen als auch verdeckt. Dieser retrospektive Bericht fasst die Ergebnisse zusammen und beinhaltet zudem die Rechercheergebnisse anderer Organisationen, mit denen ISD Germany im Kontext der Wahl zusammengearbeitet hat:

  • Online-Desinformation und digitale Gewalt gegen Politiker:innen begleiteten den Bundestagswahlkampf 2021 in Deutschland. Derartige Inhalte waren sowohl auf den populärsten Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram, YouTube oder Twitter, als auch auf alternativen Plattformen wie Telegram häufig einer großen Öffentlichkeit leicht zugänglich.
  • Online-Communities von AfD-Unterstützer:innen, Covid-19-Skeptiker:innen und Verschwörungsideolog:innen sowie rechtsextreme Gruppen verbreiteten gezielt Desinformationen über die Integrität des Wahlprozesses und des Wahlergebnisses. Die ständige Wiederholung derartiger Narrative besitzt das weichenstellende Potenzial, in Zukunft Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen zu etablieren, besonders, wenn Nutzer:innen diesen Inhalten langfristig ausgesetzt sind.
  • Extremistische Gruppen, Unterstützernetzwerke politischer Parteien und Verschwörungsideolog:innen nutzten Social-Media-Plattformen zum Mobbing und zur Verbreitung von Desinformationen zum Nachteil der Spitzenkandidat:innen. Sie griffen Armin Laschet (CDU/CSU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) nicht nur mit verbalen Beleidigungen an, sondern auch mit Verschwörungserzählungen und Desinformationen.
  • Weniger prominente Kandidat:innen wurden ebenfalls Ziel digitaler Gewalt. Die vom ISD Germany durchgeführte Analyse von Tweets, die Twitter-Nutzer:innen an eine Auswahl von 40 Kandidat:innen des gesamten politischen Spektrums sendeten, ergab, dass jede:r einzelne Kandidat:in an jedem einzelnen Tag des Wahlkampfes im August und September durchschnittlich mindestens einen Hass-Tweet erhalten hatte.
  • Die russischen staatlichen Medien in Deutschland konzentrierten sich bei ihrer Aktivität auf Social-Media-Plattformen, stärker als die chinesischen, türkischen und iranischen, auf für die Wahl relevante Themen ebenso wie auf kontroverse innenpolitische und soziale Fragen.
  • Excerpt:  Dieser Bericht befasst sich mit digitalen Bedrohungen im Kontext der Bundestagswahl 2021 und ihren Folgen für künftige Wahlen. Der Fokus der Analyse liegt auf Verbreitung von Desinformationen über die Integrität der Wahl, digitale Gewalt und Versuche ausländischer Einflussnahme.

Julia Smirnova arbeitet als Analystin für die Digital Analysis Unit des ISD und für ISD Germany und untersucht die Verbreitung von Desinformationen, Verschwörungsmythen und extremistischen Ideologien im Internet. Als Teil der ISD Election Monitoring Unit erforscht sie Desinformationskampagnen sowie Bestrebungen zur Wahlbeeinflussung. Zuvor arbeitete sie als Journalistin und schrieb für deutsche Medien wie DER SPIEGEL oder WELT.

Anneli Ahonen beobachtete als Senior Fellow beim ISD Germany Versuche ausländischer Einflussnahme auf die Bundestagswahl 2021. Bis zum Sommer 2021 leitete sie die East Stratcom Task Force, eine Anti-Desinformations-Abteilung beim Europäischen Auswärtigen Dienst. Davor arbeitete sie als Journalistin und berichtete von 2009 bis 2016 aus Sankt Petersburg für die finnische Zeitung Helsingin Sanomat.

Nora Mathelemuse arbeitet als Analyse-Fachkraft beim ISD Germany im Bereich der digitalen Forschung und untersucht die Verbreitung von digitaler Gewalt, Desinformationen, Verschwörungsmythen und extremistischen Ideologien auf Social-Media-Plattformen. Als Teil der ISD Election Monitoring Unit erforscht Nora politische Kommunikation, Desinformationskampagnen sowie Bestrebungen zur Wahlbeeinflussung. Nora unterstützt die digitale Forschungsabteilung mit deren technischen Fähigkeiten und Wissen.

Helena Schwertheim ist Senior Manager beim ISD Germany. Sie leitet ein Team von Analyst:innen, das Bedrohungen des sozialen Zusammenhaltes und der Demokratie durch digitale Desinformation, Hassrede und Extremismus untersucht.

Hannah Winter arbeitet als Analystin beim ISD Germany im Bereich der digitalen Forschung und untersucht die Entstehung und Streuung von Desinformationen, Verschwörungsmythen und extremistischen Ideologien auf den Social-Media-Plattformen. Als Teil der ISD Election Monitoring Unit erforscht sie politische Online-Kommunikation, Desinformationskampagnen sowie Bestrebungen zur Wahlbeeinflussung.

Der Bericht wurde mit Unterstützung von Chloe Colliver, Cooper Gatewood, Mauritius Dorn, Gil Jung und Huberta von Voss verfasst.

Herausgeberische Verantwortung: Huberta von Voss, Executive Director ISD Germany

Das Projekt wurde finanziell von Reset Tech unterstützt. Die inhaltliche Verantwortung liegt ausschließlich beim ISD Germany

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