Um- und Abwege. Online-Strategien zur Verbreitung rechtsextremer Inhalte Jahresbericht zum Forschungsprojekt »Radikalisierung in Rechtsextremen Online-Subkulturen entgegentreten« für das Jahr 2021

Um-und Abwege Online-Strategien zur Verbreitung rechsextremer Inhalte

Authors: Richard Kuchta, Dominik Hammer, Lea Gerster & Christian Schwieter

Published: 21 December 2021

Seit Anfang 2021 untersucht ISD Germany rechtsextreme Akteur:innen auf den alternativen Plattformen im Internet. Im Rahmen des von BMJV geförderten Projektes »Radikalisierung in rechtsextremen Online-Subkulturen entgegentreten« wurden dieses Jahr drei Reports veröffentlicht. Der letzte Bericht in 2021 »Um- und Abwege Online-Strategien zur Verbreitung rechtsextremer Inhalte« liefert eine Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse sowie einen Abriss über zukünftige methodologische Herausforderungen. Die zentralen Ergebnisse lauten wie folgt:

  • Rechtsextreme Akteur:innen nutzen die etablierten Plattformen strategisch, um dort auf kleinere, nicht regulierte Plattformen zu verweisen. Wegen der Regulierungen und Moderation wird zugleich die Sprache auf den etablierten Plattformen angepasst, um sich Eingriffen zu entziehen. Während bei den etablierten Plattformen gezielt weichere Inhalte und andeutendes Dogwhistling vorherrschen, sind auf den alternativen Plattformen auch radikalere bzw. extremere Inhalte zu finden.
  • Auf den etablierten Plattformen und auf Telegram spielen einzelne ›Poweruser‹ eine zentrale Rolle für das Verlinkungsgeschehen. Deren strategische Vorgehensweise zielt darauf ab, auf einer Vielzahl von verschiedenen Plattformen für die eigenen Profile zu werben.
  • In beiden bisher untersuchten Datensätzen hat sich Telegram als zentrale alternative Plattform herausgestellt. Andere alternative Plattformen haben derzeit (noch) keine große Bedeutung im rechtsextremen Online-Milieu. Der Messenger-Dienst wird häufig auf den etablierten Plattformen sowie auch plattformintern selbst verlinkt.
  • Etablierte Plattformen spielen eine wichtige Rolle im rechtsextremen Online-Milieu, weil sich dort eine größere Anzahl an Nutzer:innen rekrutieren lässt.
  • Auf den etablierten Plattformen wird in ungefähr der Hälfte der untersuchten Links auf andere etablierte Plattformen verlinkt, unter den alternativen Plattformen fällt die Wahl am häufigsten auf Telegram. Auf Telegram wiederum werden besonders audiovisuelle Plattformen verlinkt, wie zum Beispiel YouTube, Dlive.tv, wtube.org oder veezee.tv.
  • Telegram dient als Sammelbecken für Personen und Organisationen, deren Profile von größeren Plattformen gelöscht wurden.
  • Die Daten, die von Plattformen über APIs erhoben werden können, unterscheiden sich zwischen den Plattformen. So begrenzt z. B. Facebook Erhebungsoptionen auf öffentlich zugängliche Seiten oder Gruppen, während YouTube auch die Erhebung von Kommentaren ermöglicht. Diese Unterschiede begrenzen die Möglichkeiten einer vergleichenden Analyse. Zugleich geben die Grenzen, die Plattformen in ihren APIs setzen, Auskunft über deren technische, wirtschaftliche und weltanschauliche Ausrichtung.
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        In the Blind Spot – How right-wing extremists use alternative platforms for radicalisation

        This report provides a summary of the first annual expert conference "Im toten Winkel - Wie Rechtsextreme alternative Online-Plattformen zur Radikalisierung nutzen" (In the blind spot - How right-wing extremists use alternative online platforms for radicalisation), which took place as part of the project "Radikalisierung in rechtsextremen Onlinesubkulturen entgegentreten" (Countering radicalisation in right-wing extremist online subcultures), funded by the German Federal Ministry of Justice (BMJ).