Rumble

By: Hanna Börgmann

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Einführung

Rumble ist eine Videoplattform mit Sitz in Toronto, Kanada, auf der Nutzer Videos ansehen, hochladen und teilen können. Sie wurde vom kanadischen Unternehmer Chris Pavlovski gegründet, ging 2013 online und wurde ursprünglich für virale Videos und Nachrichten mit Haustieren und Kindern populär. Im Kern versteht sich Rumble, im Vergleich zu den „Big Tech Giganten“, als „Alternative für freie Meinungsäußerung“. Dementsprechend erklärt die Plattform, dass sie „Technologien entwickelt, die immun gegen die Cancel Culture sind“ und sieht sich „auf einer Mission zum Schutz eines freien und offenen Internets“.

Rumble hat aus den Erfahrungen der alternativen Mikroblogging-Website Parler gelernt, deren Hosting durch Amazon nach dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 eingestellt wurde, und hat seine eigenen Cloud-Infrastruktur- und Videostreaming-Kapazitäten aufgebaut. Im April 2022 gab die Plattform zudem bekannt, dass Truth Social, die vom ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump gegründete Social-Media-Plattform, ihre Website und mobile Anwendung auf die Cloud-Infrastruktur von Rumble migriert hat.

Rumbles Vision vom Aufbau eines „Neuen Internets” hat eine Reihe hochkarätiger konservativer Investoren angezogen. Einer von ihnen ist Peter Thiel, ein umstrittener deutsch-amerikanischer Milliardär, Tech-Investor und Trump-unterstützender rechtsgerichteter Aktivist. Ein anderer ist David Sacks. Der Unternehmer und Investor aus dem Silicon Valley hat den Kauf von Twitter durch Elon Musk finanziert  und ist Mitbegründer der Podcasting- und Livestreaming-Plattform Callin. Sie ist vor kurzem von Rumble übernommen worden und soll ein weiterer Pfeiler des Inhaltsgeschäfts von Rumble werden. Sacks hat inzwischen einen Sitz im Vorstand von Rumble erhalten.

Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung ist der Börsengang von Rumble an der NASDAQ-Börse im September 2022, der durch eine Special Purpose Acquisition Company (SPAC) ermöglicht wurde. SPACs sind Unternehmen, die mit dem alleinigen Ziel gegründet werden, über den Börsengang eines Unternehmens Geld einzusammeln und dieses Geld in den Erwerb des Unternehmens zu reinvestieren. Durch die SPAC-Fusion stieg Rumbles  Unternehmenswert auf 2,1 Milliarden Dollar und das Unternehmen verfügt über 400 Millionen Dollar an Barmitteln. Diese Mittel will es für die Gewinnung neuer „Content Creators“, den Ausbau seiner unabhängigen Infrastruktur und die Finanzierung von Marketingkampagnen und weiteren Übernahmen verwenden.

Im Jahr 2021 verklagte Rumble Google mit dem Vorwurf, dass YouTube in den Suchergebnissen und im Android-Betriebssystem übermäßig bevorzugt werde. Im Jahr 2022 lehnte der Richter den Antrag von Google ab, den Fall abzuweisen, und ließ ihn weiterlaufen. Eine Verhandlung hat bis heute nicht stattgefunden. Die weitere Entwicklung des Falles ist jedoch für Beobachter von Social-Media-Plattformen von großer Bedeutung: er könnte einen Präzedenzfall für andere alternative Plattformen schaffen, die versuchen, der Marktmacht von Google und Meta etwas entgegenzusetzen.

Publikum

Rumble behauptet, ideologisch neutral zu sein. Aber die Unterstützung durch hochkarätige rechtsgerichtete Tech-Investoren und die auf „freie Meinungsäußerung“ und „Anti-Big-Tech“ konzentrierte Rhetorik des Gründers sowie der jüngste Börsengang deuten auf die Ambition hin, sowohl den Online-Diskurs als auch die zugehörige Infrastruktur zu prägen. Diese Faktoren haben dazu beigetragen, dass Rumble zu einem zentralen Pfeiler des sogenannten „Alt-Tech“-Ökosystems geworden ist. Es umfasst eine Reihe von Social-Media-Plattformen und Diensteanbietern, die bei Rechtsextremen wegen ihrer undurchsichtigen Moderationspraxis beliebt sind.  

 Dementsprechend hat Rumble bislang vor allem rechtsgerichtete und konservative Nutzer:innen angezogen. Obwohl die Anzahl der Aufrufe der beliebtesten Videos der Plattform im Vergleich zu YouTube relativ gering ist, konnte Rumble seine Nutzerzahlen deutlich steigern. Die Situation eskalierte 2020 – das Jahr, das den Beginn zweier zentraler rechtsextremer Mobilisierungskampagnen in den USA markierte: Die Leugnung der Wahlergebnisse der Präsidentschaftswahlen und die Verschwörungserzählungen im Kontext der Covid-19 Pandemie. Im zweiten Quartal 2022 hatte Rumble mehr als 44 Millionen monatliche aktive Nutzer, das sind 76 % mehr als im Vorjahr. Rumble umfasst, wie die New York Times feststellte, zudem eine größere Reichweite als die der rechtsgerichteten Medien Breitbart, Newsmax und The Daily Wire zusammen.

Der Ruf von Rumble, Nutzer:innen aus dem rechten Milieu anzuziehen, wird durch Empfehlungsdaten von anderen Websites im Alt-Tech-Ökosystem weiter untermauert. Der CEO von Rumble selbst bestätigte bereits 2020, dass Rumble mehr Referral-Traffic von Parler erhielt als Facebook und Twitter (jetzt X) zusammen. 

Dieser Ruf, vor allem rechtsgerichtete und teilweise extremistische „Content Creator“ und Besucher:innen anzuziehen, wird durch einige der Konten weiter gefestigt, die auf Rumble Inhalte posten und eine große Anhängerschaft erreichen. 

Der Kanal „Red Pill News“ zum Beispiel trat Rumble im Oktober 2020 bei. Er hatte zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels (Juli 2023) 184.000 Follower und mehr als 1.000 Videos auf der Plattform veröffentlicht. Etwa zu der Zeit, als er Rumble beitrat, wurde der Kanal von YouTube entfernt, weil er die QAnon-Verschwörungstheorie verbreitete und förderte. Heute ist Red Pill News wieder auf YouTube zu finden, scheint aber weniger zu posten und weniger Aufrufe zu erhalten als sein Rumble-Pendant, das im YouTube-Kanal verlinkt ist. Dies deutet darauf hin, dass die frühere YouTube-Fangemeinde von Red Pill News während der Zeit, in der es offline war, größtenteils zu Rumble abgewandert oder anderweitig verloren gegangen ist, und dass die Hauptfunktion des neuen YouTube-Kanals darin besteht, neue Follower:innen für das Rumble-Konto zu gewinnen.

Auf dem Rumble-Kanal von Red Pill News wurde kürzlich ein Video mit dem Titel „Biden Psyop Has Run It’s [sic] Course – MSM & Cabal Turning“ innerhalb eines Tages 48.200-mal aufgerufen. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten gehören u.a. die Verbreitung der Verschwörungserzählung „Great Reset“, Videos über die “Biden Crime Family” einschließlich der Erzählung von „gestohlenen Wahlen“ und die Förderung der europäischen Rechtsextremen, wie beispielsweise Marine Le Pens „Rassemblement National“. 

Zum Netzwerk rechtsextremer Influencer:innen, die auf Rumble prominent vertreten sind, zählt Alex Jones, der 2018 von YouTube, iTunes, Facebook und Spotify verbannt wurde.  Dessen rechtsextremes Medienunternehmen „Infowars“ musste 2022 Insolvenz anmelden, nachdem es zur Zahlung von fast 1 Milliarde Dollar Schadensersatz an die Familien des Amoklaufes an der Sandy Hook Elementary School 2012 verurteilt worden war. Bei der tödlichsten Schießerei an einer Grundschule in der Geschichte der USA kamen zwanzig Kinder und sechs erwachsene Mitarbeiter:innen ums Leben. Das machte die Forderungen nach strengeren Waffenkontrollen in den USA lauter. In diesem Zusammenhang beschuldigte Jones die Familien der Opfer wiederholt, Akteure einer Verschwörung zu sein.

Ein weiterer prominenter Influencer ist Dan Bongino: ein politischer Kommentator, Radiomoderator und ehemaliger Polizeibeamter, der von 1999 bis 2011 als Secret Service Agent tätig war und dreimal erfolglos für die Republikanische Partei für den Kongress kandidierte. Er galt als eine der einflussreichsten Personen bei der Verbreitung von Wahldesinformationen im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen 2020. Zu dieser Zeit hatte Bongino fast vier Millionen Anhänger auf Facebook, mit fast 7,7 Millionen Interaktionen in der Woche vom 3. November 2020. Sein Twitter-Konto wurde am 7. Januar 2021 abgeschaltet, nach dem Sturm auf das US-Kapitol.

Auf YouTube wurde Bongino wegen der Verbreitung von Desinformationen und Verschwörungsnarrativen über Covid-19-Impfstoffe dauerhaft gesperrt. Er hatte versucht, eine vorübergehende Sperrung zu umgehen. Auf Rumble, an dem Bongino eine Beteiligung erworben hat, betreibt er einen der größten Kanäle der Plattform mit 2,8 Millionen Followern. Zu seinen Inhalten gehören unter anderem “Great Reset“-Verschwörungsnarrative sowie rechtsextreme und antisemitische Hetzparolen, wie etwa Verschwörungsnarrative über den bekannten jüdischen Philanthropen George Soros.

Wesentliche Merkmale

Das Geschäftsmodell von Rumble basiert auf der Monetarisierung von nutzergenerierten Inhalten, wobei Videos hochgeladen und mit einem weltweiten Publikum geteilt werden können. Nach Angaben der New York Times hat Rumble von Januar bis September 2022 mehr als 6,5 Millionen Dollar an Einnahmen generiert, die meisten davon durch Werbung, war aber noch nicht profitabel. 

Die Nutzer:innen können auf Funktionen wie Suche, Videobearbeitungstools und Analysefunktionen zugreifen, um ihre Videos zu optimieren. Darüber hinaus enthalten die Videos auf Rumble einen Share-Button, der es den Nutzer:innen ermöglicht, Videos direkt über WhatsApp, Twitter, E-Mail und den Microblogging-Dienst Truth Social zu teilen, der von der Trump Media & Technology Group (TMTG) betrieben wird. 

Rumble ermöglicht es, Livestreams einzurichten, die mit einem Live-Kommentarbereich ausgestattet sind. Zudem verfügt  Rumble über eine Funktion namens “Rumble Rants”, die es den Fans ermöglicht, ihren bevorzugten “Creators” während der Livestreams Trinkgelder zu geben. Eine weitere Möglichkeit, Inhalte zu monetarisieren, sind Anzeigen. Die Ersteller von Inhalten müssen jedoch die Genehmigung von Rumble einholen, um ihre Videos zu monetarisieren. Nach Angaben der Website kann die Genehmigung zur Monetarisierung eines Videos zwischen einem und fünf Tagen dauern. Solange die Genehmigung zur Monetarisierung noch aussteht, können die Videos von den Abonnenten über einen direkten Link angesehen werden. Die Kriterien für die Genehmigung der Monetarisierung bleiben jedoch weitgehend unklar.

Ansatz für die Moderation von Inhalten

Trotz seiner Aufmachung, die an die Verfechter der freien Meinungsäußerung zu appellieren scheint, definiert Rumble in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen klar die Grenzen der Inhalte, die auf der Plattform veröffentlicht werden können. Verleumdung, Diffamierung, Urheberrechtsverletzungen, Anstiftung zur Gewalt und Hass, einschließlich Rassismus und Antisemitismus, sind nicht erlaubt. Die Plattform betont, dass es in ihrem alleinigen Ermessen läge, zu entscheiden, welche Inhalte gelöscht werden können, und dass sie weder verantwortlich noch haftbar sei, wenn Nachrichten nicht oder verspätet gelöscht würden. Darüber hinaus wird erklärt, dass „jegliches Material, das an den Rumble-Dienst übermittelt wird, von Rumble geprüft werden kann, aber (…) nicht muss, bevor es auf dem Rumble-Dienst zur Verfügung gestellt wird. (…) Rumble hat das uneingeschränkte Recht (aber nicht die Pflicht), Inhalte und Material aus beliebigen Gründen, auf beliebige Art und Weise, jederzeit und ohne Vorankündigung zu verbieten, abzulehnen, zu löschen, zu verschieben und zu bearbeiten“.

Darüber hinaus beschreibt Rumble ein „Beschwerdeverfahren“ und gibt zwei E-Mail-Adressen an, die verwendet werden können, um entweder Inhalte zu melden, die gegen die Richtlinien verstoßen, oder um sich über unangemessenes Verhalten und Material auf der Plattform zu beschweren. Obwohl die Form einer solchen Beschwerde detailliert beschrieben wird, erklärt Rumble ausdrücklich, dass es „zu keinem Zeitpunkt die Verantwortung dafür übernimmt, Sie über den Status oder das Ergebnis seiner Untersuchung oder über Maßnahmen, die Rumble daraufhin ergriffen hat, zu informieren“, und somit auf jegliche Rechenschaftspflicht in Bezug auf seine Praktiken der Inhaltsmoderation verzichtet, die ausdrücklich intransparent gehalten werden.

Wie ist Rumble mit anderen Plattformen verknüpft?

Im Rahmen des ISD-Forschungsprojekts “Radikalisierung in rechtsextremen Online-Subkulturen entgegentreten” liefert das ISD-Forschungsteam quantitative Belege dafür, dass Rumble eine wichtige Rolle im deutschsprachigen, rechtsextremen Online-Milieu auf Telegram spielt, insbesondere in verschwörungsideologischen Kanälen und dem Anti-Lockdown-Milieu. Laut der ISD-Analyse gehörte Rumble zu den drei wichtigsten Kanälen, die in den untersuchten verschwörungsideologischen Kanälen verlinkt wurden, mit 1.056 Links, die im untersuchten Zeitraum gepostet wurden. Darüber hinaus wurde Rumble in 33 der 51 untersuchten Verschwörungskanäle verlinkt, was einem Anteil von 65% entspricht (s. Abbildung 1).

Die Studie konzentriert sich auf den deutschsprachigen Kontext. In Anbetracht dessen und in Anbetracht der breiteren Ambitionen von Rumble (siehe oben) ist eine weitere Analyse des englischsprachigen Kontexts äußerst relevant – dies auch im Hinblick auf die Position von Rumble im größeren rechtsextremen Online-Ökosystem (und der Interaktion mit demselben) sowie für die Prävention und Bekämpfung von gewalttätigem Extremismus.

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This Explainer was uploaded on 18 September 2023. 

US ‘Antifa’ Groups

'Antifa' groups operate in a mostly decentralized way but share a belief that they're resisting fascist ideology, primarily through protests and counterdemonstrations against far-right extremism, utilizing tactics such as doxxing, and at times criminal activity.

Neo-Confederate Ideology

'Neo-Confederate' refers to individuals or groups echoing US Confederate beliefs, emphasizing states' rights & heritage preservation, with some overlap with white supremacist ideologies.

‘Saints Culture’ is an extremist trend prevalent amongst the white supremacist movement whereby individuals who have committed extreme acts of hate-motivated violence are revered as saints.

‘Saints Culture’

The "Saints Culture" within the white supremacist movement glorifies individuals who commit hate-motivated violence, a phenomenon revitalised in online spaces.